• Nicola Christ-Widmann

    Impulse, die wirken

    Erkennen, was läuft.
    Verstehen, wie Menschen ticken.
    Verändern, was wirkt.

    Unabhängig davon, ob Sie Antworten, Lösungen oder neue Perspektiven suchen: Ich helfe Ihnen gerne dabei, die Wege zu finden, die Sie auch wirklich an Ihr Ziel bringen.

Fräulein Schwyz: Die mit den Kühen tanzt

Neues vom Fräulein Schwyz:
Auf der Alm, da gibt’s ka Sünd’... aber es gibt Kühe... in Massen. Auch auf der Straße zu unserem Haus. Und ich sehe mich vor der nächsten Herausforderung in meinem neuen Leben: Tag für Tag. Dem Bewältigen der kleinen und großen – bewussten und noch unbewussten – Ängste...

Auf die Kuh gekommen

Kühe sind meine neue Passion, im ursprünglichen Sinn des Wortes. Denn wie viele ja wissen, bin ich eine große Tierliebhaberin. Und ich liebe es, dass hier im „Ländle“ Kühe, Schafe und Hühner richtig viel Freiraum zum Laufen und Grasen und Schmusen haben. Ja, diese Tiere schmusen. Es ist entzückend ihnen von der Terrasse aus zuzusehen, wie Kühe sich gegenseitig streicheln und massieren. Mir war nicht bewusst, wie liebevoll diese Tiere untereinander sind. Mir war aber auch nicht bewusst, wie groß diese Tiere sind. Und da kommt die Kehrseite der Passion ins Spiel.

Tausche Tangenten-Stau gegen Kuh-Herde

Auf der Straße, da wird es mir jedes Mal wieder deutlich bewusst. Diese Kühe sind RIESIG! Und wie lang und ehrfurchterregend ihre Hörner erst sind! Das Kleingedruckte bei meiner neu gewonnenen Idylle ist nämlich, dass mitten über die Straße zu unserem Haus eben diese Kuh-Herde von einer Weide zur anderen wechselt, und das frei nach Lust und Laune... oder geht vielmehr unsere Straße mitten durch ihre Weide?   

Wie auch immer: Kuh ist an der Tagesordnung. Und das nicht am Teller, sondern auf dem Heimweg. Eineinhalb Meter groß, eine gute dreiviertel Tonne schwer und bis zu 40 km/h schnell. Und diese imposanten Tierchen galoppieren ordentlich, wenn sie den Platz dazu haben. Und sie stehen gern, vor allem auf der Straße. Vor allem, wenn ich komme.

Das ist also mein neuer täglicher Tanzpartner auf dem Weg nach Hause. Und die Einheimischen müssen sich hier „scheckert“ lachen, wenn sie meine städtische Herangehensweise beobachten:

• Ich taste mich mal vorsichtig heran
• Ich halte Sicherheitsabstand von mindestens fünf Meter (Wie ich von Patrick Swayze gelernt habe: es gibt meinen Tanzbereich, und ihren)
• Kommen sie auf mich zu, setze ich ´mal sicherheitshalber hinter das Kuhgitter zurück
• Und warte bis das liebe Vieh (oder die halbe Herde sich bequemt, weiterzugehen)
• Das kann dauern (aktueller Rekord 35 Minuten)

Ach ja und ich rede mit den Tieren – telepathisch – und flehe sie an, auf die Weide zu gehen und mich durchzulassen. Aber sie denken gar nicht daran, sie sind viel zu neugierig, wer denn die Neue ist, die sich so lustig anstellt und anscheinend am liebsten im Rückwärtsgang Auto fährt.

Gedanken-Ping-Pong im Angesicht der Kuh

Und da stehe ich nun und versuche mich zu erinnern, wie das Kevin Costner mit den Wölfen hingekriegt hat. Wobei: kam in der Verfilmung überhaupt ein Wolf vor? Was war nochmal die Quintessenz von diesem Film?

Die Kühe stehen immer noch munter im Weg. Also komme ich auf die nächste Gedankenspirale: Was denkt sich Kuh über mich, wenn sie mich so ansieht? Störe ich sie in ihrer Weidenwelt? Weiß sie, dass ich kleiner und schwächer bin und sie mich jederzeit mitsamt dem Auto umwerfen könnte? Und ich dann ziemlich hilflos wäre? Ok, wenig hilfreiche Gedanken. Ich rufe meinen Mann an und erzähle ihm mein Leid. Er meint: ‚Geh die sind nur neugierig und eh ganz lieb, fahr einfach vorsichtig durch.’ Gut gemeint, aber wissen das die Kühe auch? Können sie meine Angst riechen wie man es von Hunden sagt? Wer ist eigentlich die Leitkuh und kann ich’s mir mit ihr gutstellen? Was für Leckerli gibt man Kuh eigentlich? Kann da jetzt bitte der Bauer kommen und mich retten?

 

«Man hat nur Angst, wenn man mit sich selber nicht einig ist.»

Hermann Hesse, Deutsch-Schweizer Schriftsteller und Dichter

 

Die Kuh: Meine Tanzpartnerin im Umgang mit meinen Ängsten

Und da wird es mir mit einem Mal pathetisch bewusst. Meine täglichen Begegnungen mit Kuh und co. sind ein Sinnbild für die täglichen Herausforderungen in meinem neu gewonnenen Leben. So süß und entzückend und liebenswert diese Kühe von meiner Terrasse aus auf ihrer Weide sind – hinter dem Zaun versteht sich –, so beängstigend und unüberwindbar können sie aus der Nähe sein.

So schön diese neue Welt ist, so beängstigend und überfordernd ist sie auch. Und ich verhalte mich in so vielen anderen Bereichen genauso wie bei den Kühen: vorsichtig herantasten – schnell zurücksetzen, wenn es zu eng wird – abwarten – wenig hilfreiches Gedanken-Ping-Pong spielen – auf Rettung hoffen. Und dann allen Mut zusammennehmen, eine günstige Gelegenheit nutzen und dann einfach ganz sachte durchmanövrieren.

Der hilfreiche Umgang mit sich und der Angst

Jede Freude und Veränderung bringt scheinbar auch mindestens eine Angst mit sich bringt, die bewältigt werden will. Sie kann bewusst oder unbewusst wirken. Aber sie ist da. Ob wir es wollen oder nicht. Und sie ist natürlich. Aber leider ist ‚Angst haben’ keine gern gesehene Eigenschaft in unserer Gesellschaft. Also reden wir nicht darüber und spüren sie auch lieber gleich nicht. Sonst kommen wir in Kontakt mit unserer Unzulänglichkeit und Schwäche.

Früher, als ich noch nicht verstanden hatte, dass Schwäche eine Stärke (vielleicht sogar eine unserer größten Stärken) ist, hatte ich andere Strategien im Umgang mit meinen Ängsten. Ungesunde Strategien, die psychisch und physisch krank machen:

  • Ich habe sie mir weggeredet und relativiert.
  • Ich habe versucht, sie mir logisch zu erklären.
  • Ich habe mir hunderte Ratschläge von anderen geholt.
  • Ich habe sie (und mich) mit Vollgas überfahren.
  • Ich habe mich dafür gehasst, so viele Ängste zu haben.

Heute gehe ich liebevoller mit mir um, auch mit meiner Angst. Sie gehört zu mir. Sie will mich darauf aufmerksam machen, in der Situation achtsam mit mir zu sein. Jetzt weiß ich, dass meine Angst – egal welche Angst es ist – auch meine Verbündete ist. Sie erinnert mich daran, dass ich meine Herausforderungen im Leben Schritt für Schritt und in meinem Tempo bewältigen darf. Einen Schritt vor und wenn nötig drei Schritte zurück und Pause machen. Dann wieder Kraft und Mut sammeln und fünf Schritte vor. Ohne mich dafür schlecht zu fühlen oder zu überfordern. Ich gehe offen mit meinen Ängsten um, erzähle den Nachbarn und Bauern davon, schmunzle mit ihnen über meine Naivität und lerne durch Erfahrung. Und plötzlich blicke ich der Kuh mit ganz anderen Gefühlen ins Gesicht. Sie ist mir eine Lehrmeisterin im Umgang mit der Angst. Das entspannt. 

 

Das Fräulein Schwyz ist ein Versuch, ein Statement für mehr Offenheit und ehrliche Auseinandersetzung mit unangenehmen Lebensthemen und sinnvollen Bewältigungsstrategien zu setzen. Sie will Mut machen und aufzeigen, dass Konflikte und Krisen das ganz normale Leben sind und kein Zeichen von Versagen. Sie will Tabus ansprechen und entmystifizieren, damit wir uns mit unseren Problemen, Sorgen und Ängsten nicht länger alleine fühlen

 


 

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