• Nicola Christ-Widmann

    Impulse, die wirken

    Erkennen, was läuft.
    Verstehen, wie Menschen ticken.
    Verändern, was wirkt.

    Unabhängig davon, ob Sie Antworten, Lösungen oder neue Perspektiven suchen: Ich helfe Ihnen gerne dabei, die Wege zu finden, die Sie auch wirklich an Ihr Ziel bringen.

Fräulein Schwyz: Was ist bloß mit Weihnachten los?

Neues vom Fräulein Schwyz:
Es ist der zweite Adventsamstag und ich fahre gerade erschöpft aber hoch zufrieden mit meinen Lehrgangs-TeilnehmerInnen von einem Ausbildungswochenende zurück zum Flughafen. Und wie immer höre ich beim Autofahren Radio; zum Runterkommen, zum Entspannen, zum Berieselnlassen. Zum Einstimmen auf das Wochenende, auf das ich mich schon so freue.

Auf Weihnachten, auf das ich mich schon so freue. Und dann lande ich in diesem Sendeformat: „Frag das ganze Land“. Und ich weiß bis jetzt nicht, ob mich die Fragen, die hier gestellt werden, verblüffen, verschrecken oder verstören.

„Soll ich an Weihnachten mit meiner Familie nach Hawaii fliegen? Oder soll ich hier bei meiner Freundin bleiben und mit ihr feiern?“ ist das eine Dilemma des Abends, zu dem ganz Österreich eingeladen ist, Stellung zu nehmen.

"Dürfen Omas und Opas ihre Kinder mit Geschenken überhäufen oder sollten Eltern entscheiden dürfen, was und vor allem wie viel für ihre Kinder unterm Christbaum liegt?“ lautet das zweite Dilemma des Abends, das von Herrn und Frau Österreicher gelöst werden soll.

Und die einzige Frage, die sich mir in diesem Moment stellt ist: WTF?
Gut, eine zweite folgt sofort: Wo ist bitte Weihnachten hin?

WTF: Weihnachten – Trubel oder Frieden?

Man hört den Mikromann und das Redaktionsteam darüber scherzen, dass keiner mehr weiß, wer der Begleiter vom Nikolo ist. Die Menschen auf der Straße können die Frage nicht mehr beantworten, warum wir eigentlich Weihnachten feiern. Aber dafür weiß jeder genau, was er sich von wem zu Weihnachten als Geschenk wünscht. Ganz ehrlich: WTF?

Was bitte ist mit uns los? Wir hetzen durch die Straßen, über Adventmärkte, sind im Einkaufs- und Deko-Stress, backen Kekse wie wild und müssen Geschenke einpacken. Und wofür? Damit sich die Familien am 24.12. unterm Baum einfinden, wo dann heile Welt gespielt wird, ohne dass sie wirklich real wäre. Wo viel zu oft gute Miene zum verrückten Spiel gemacht wird, wo Verärgerung und Konflikte geschluckt werden und mehr Menschen als wünschenswert froh sind, wenn der Trubel wieder vorbei ist und vor allem die unerwünschten Gäste – die man nicht sehen mag aber einladen muss, sonst wäre man unhöflich – wieder aus dem Haus sind.

Und das soll Weihnachten sein?

Das kleine Fräulein Schwyz und seine Vorstellung von Weihnachten

Ich kann mich noch ganz genau erinnern, wie Weihnachten für mich als Kind war: MAGISCH.

Meine Mama und ich haben gemeinsam einen Adventkranz ausgesucht: Am liebsten hatte ich die rosa Kerzen, mein Vater mochte lieber das klassische Rot. Aber ohne das viele Schnickschnack von heute: Kerzen, Kranz, Schleife, fertig. Wunderschön.

Und ich hatte immer einen Adventkalender – aus Karton. Am liebsten waren mir die mit Glitzer drauf. Da musste nicht jeden Tag ein Spielzeug drinnen sein. Ich war jeden Morgen ganz fasziniert, was sich wieder für ein Tierbild hinterm Türchen versteckt und schon auf mich wartet.

Ich habe andachtsvoll Weihnachtslieder auf der Flöte und später auf der Gitarre geübt und bin mit jedem Wort dieser Lieder verschmolzen. Diese wunderschönen alten Lieder: Kling Glöckchen klingelingeling, Ihr Kinderlein kommet, Es wird scho glei dumpa, Hört der Engel helle Lieder, Kommet ihr Hirten,…

Ich habe diese Stimmung geliebt. Wir haben Kekse gebacken, Tee gemacht, einen kleinen Teller Kekserl bereitgestellt, das Licht gedimmt, die Kerzen vom Adventkranz angezündet und dann musiziert, meist auch mit meiner Oma. Diese Erinnerungen sind noch so klar, als wäre es gestern gewesen. Ich war glücklich.


 

Nach Hause kommen, das ist es, was das Kind von Bethlehem allen schenken will, die weinen, wachen und wandern auf dieser Erde.

Friedrich von Bodelschwingh, ev. Priester

 

Das große Fräulein Schwyz und seine Entwicklung von Weihnachten

Irgendwann bin ich dann älter geworden und habe meinen Blick auf diesen Zauber verloren. Stattdessen sind andere Werte in den Vordergrund gerückt: Wie man das perfekte Weihnachten feiert, wie man das perfekte Geschenk schenkt, wie man den perfekten Abend gestaltet, wo man die perfekten Feiertage verbringt…

Und ich habe in den letzten Jahren verstärkt spüren können, dass mir Weihnachten keine Freude mehr bereitet hat. Weihnachten war nur mehr Hektik und Stress und Belastung und eine lange Liste an Dingen, die ich tun musste. Die Wochen vor Weihnachten waren fast unbewältigbar: Termine über Termine, jeder wollte vor Weihnachten noch die eine oder andere Arbeit erledigt haben, Freunde wollten unbedingt noch getroffen werden. Ich war froh, wenn es wieder vorbei war. Und ich erinnere mich: Wenn ein Tag 48 Stunden gebraucht hätte, dann definitiv in der Zeit vor Weihnachten. Denn: Zeit ist Geld. So tickt sie nun mal, unsere Welt.

Wenn Zeit Geld ist, dann wünsch‘ ich mir zu Weihnachten: Zeit!

Heuer ist es anders. Vielleicht ist es die Schweiz, die neue Umgebung, dieser Abstand zum gewohnten Trubel und Klimbim. Kein mit Terminen vollgepackter Kalender, keine langen Listen an Geschenken, keine getakteten Feiertage, keine Freunde und Verwandten, die nahe genug wären, um vor Weihnachten noch schnell auf einen Punsch zu gehen.

Ich habe mehr Zeit. Zeit und Abstand, mir zu überlegen, was ich eigentlich wirklich will. Und das tut mir gut. Und ich merke, wie wertvoll diese Zeit ist. Wieviel wertvoller als Geld. Und plötzlich ist da wieder Raum für etwas Neues, oder eigentlich Altbekanntes: Raum für den Zauber und die Magie, die ich aus meinen Kindertagen kenne.

Und plötzlich wird wieder musiziert. Ja es klingt richtig kitschig, und das ist es auch. Aber wisst ihr, wie schön das ist, sich gemeinsam hinsetzen und sich die Zeit nehmen, Weihnachtslieder zu singen und auf Klavier und Gitarre zu begleiten? Gut, der eine oder andere Ton ist definitiv noch mächtig schief und den einen oder anderen Lacher wert, aber darum geht’s auch nicht.

Es ist einfach nur stimmungsvoll. Als würde die Zeit stillstehen. Es ist so eine Bereicherung, die alten Lieder aus der Weihnachtskindheit wieder auszugraben und sich zu besinnen, worum es zu Weihnachten wirklich geht: um Liebe und Freude und Zeit. Freude am Leben, Dankbarkeit für die Menschen, die uns lieben und für uns da sind. Liebe schenken und geschenkt bekommen. Kein Geschenk der Welt kann mir wertvoller sein als Menschen, die mir ihre Liebe und ihre Zeit schenken und mir meine Fehler und Verrücktheiten verzeihen. Das ist für mich Weihnachten.

Ganz ohne Klimbim.

Und so wird heuer auch erstmals unser Weihnachtsbaum sein, frei von Klimbim. Keine Glaskugeln, kein Lametta, keine Plastikengeln… sondern Natur pur: kleine Äpfel aus dem eigenen Garten, selbstgemachte Lebkuchenherzen und Walnüsse werden unseren Christbaum heuer zieren. Was ich mir nie hätte vorstellen können, ist heuer so unfassbar selbstverständlich. Und ich bin schon so neugierig, wie das aussehen wird. Aber ich weiß schon jetzt, wie es sich anfühlen wird: Stimmungsvoll. Besinnlich. Friedlich. Natürlich.

Ich wünsche uns allen besinnliche Weihnachten und, dass die Zeit mit unseren geliebten Menschen in diesen besonderen Momenten stillsteht.  

 

Das Fräulein Schwyz ist ein Versuch, ein Statement für mehr Offenheit und ehrliche Auseinandersetzung mit unangenehmen Lebensthemen und sinnvollen Bewältigungsstrategien zu setzen. Sie will Mut machen und aufzeigen, dass Konflikte und Krisen das ganz normale Leben sind und kein Zeichen von Versagen. Sie will Tabus ansprechen und entmystifizieren, damit wir uns mit unseren Problemen, Sorgen und Ängsten nicht länger alleine fühlen.

 


 

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