• Nicola Christ-Widmann

    Impulse, die wirken

    Erkennen, was läuft.
    Verstehen, wie Menschen ticken.
    Verändern, was wirkt.

    Unabhängig davon, ob Sie Antworten, Lösungen oder neue Perspektiven suchen: Ich helfe Ihnen gerne dabei, die Wege zu finden, die Sie auch wirklich an Ihr Ziel bringen.

Fräulein Schwyz und die drei Ich's

Neues vom Fräulein Schwyz:
Es ist einer dieser gemütlichen Fernseh-Abende: Im Kamin knistert es wohlig, der Tee dampft vor sich hin, die Lieblingsserie läuft. Es ist eine herrlichen Entspannungsphase nach einem langen Arbeitstag. Und dann kommt diese Szene, die mich nicht mehr los lässt.

Der Protagonist erzählt bei seiner Obduktion eines Mordopfers beiläufig von den drei Ichs und meint damit nicht den überstrapazierten Freud-Klassiker oder die viel zitierte Transaktionsanalyse von Eric Berne. Nein, es ist viel simpler – und doch so tiefschichtig.

Die drei Ichs: Von der Selbstdarstellung zum inneren Kern

Da gibt es das Ich, das alle Welt kennt: Das Ich, das ich nach außen zeige. Es ist das sogenannte öffentliche Ich, das ich zur Schau stelle: Die oft inszenierte Selbstdarstellung, die ich mehr oder weniger bewusst wähle.

Dann gibt es das Ich, das ich meinen Freunden zeige. Es ist ein offenherzigeres Ich, das meinen erwählten Vertrauenspersonen mehr private Einblicke erlaubt, als die Welt zu sehen bekommt.

Und dann ist da noch mein privates Ich, das nur ich kenne. Mit allen Sorgen, Hoffnungen, Sehnsüchten und Urteilen über mich und die Welt.

Und Sie werden jetzt vielleicht denken: Ja, das ist doch ganz normal. Und ja, stimmt. Und doch frage ich mich: Wieso ist das eigentlich so? Und warum ist es so normal, verschiedene Ichs zu sein? Und ist das nicht auf Dauer anstrengend? Und welches Ich bin ich gerade? Und warum?

Ein natürliches Konzept oder ein paradoxes Konstrukt? 

Wenn ich so darüber grüble, klingt es zwar logisch, aber auch mühsam, in den verschiedenen Situationen unterschiedliche Ichs an den Tag zu legen. Und ich erinnere mich, wie viele meiner Freunde oder auch Klienten in den letzten Jahren immer wieder wie selbstverständlich von den unterschiedlichen Hüten sprachen, die sie je nach beruflichem, politischen oder karitativen Parkett wechseln mussten.

Muss man da nicht ständig auf der „Hut“ sein, in welchem Umfeld man sich gerade bewegt, und wem man was von sich preis gegeben hat? Und was passiert, wenn sich einige dieser verschiedenen  „Bühnen“ überlappen und man plötzlich Freunde am Business-Parkett trifft? Welches Ich zeigt man dann? Kann man denn die verschiedenen Bühnen nicht auch mit ein- und demselben Ich bedienen?

Als ich wusste, dass ich mein Leben neu ordnen und in einem neuen Land ein neues Leben beginnen würde, war mir bewusst: Ich drücke jetzt Reset und starte neu durch. Was ist das für eine einmalige Gelegenheit, alles hinter sich lassen und sich neu erfinden zu können, sich selbst, seine berufliche und private Persönlichkeit?

Kann man das überhaupt, seine Persönlichkeit neu erfinden? Oder geht es nicht viel mehr darum, seine verschiedenen Masken abzunehmen, die einem so vertraut und selbstverständlich geworden sind? Sie nebeneinander hinzulegen und zu hinterfragen, welche noch zu einem passen. Oder ob es diese Masken wirklich noch braucht und wenn ja, wofür?

 

«Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.»

 

Ödön von Horvath, öst.-ung. Schriftsteller

Von Masken, Stereotypen und Angst

Wenn ich jetzt also drei verschiedene Ichs habe (und ich gehe jetzt einmal munter davon aus, dass es mehr als drei sind)… Wozu braucht es sie eigentlich alle? Warum zeige ich nicht einfach, wer ich bin?

„Das macht doch jeder so“ wäre wahrscheinlich die erste Antwort. Ach ja und „Außerdem geht es ja niemanden etwas an, was ich wirklich denke. Das wäre gerade im Business absolut unpassend.“  Eine weitere Antwort, die mich vor vielen Jahren schon perplex machte, war: „Du kannst doch anderen nicht von deinen Fehlern erzählen. Das ist ja viel zu gefährlich.“

Ok, es geht also um Stereotype, um die Wahrung unseres Images und um Angst. Und es ist richtig: Masken sind ein Selbstschutz-Mechanismus. Wir wollen nicht riskieren, uns offen zu zeigen und dann verletzt zu werden. Es hält andere auf sicherer Distanz. Man wahrt den Schein. Man bleibt safe hinter der Mauer. Schießlich verlieren wir lieber eine Maske als unser Gesicht.

Und ich muss gestehen, auch das stimmt. Wenn ich ehrlich mit mir und meinem ‚alten‘ Leben in Wien und Baden bin, muss ich feststellen, dass auch ich in so manchen Situationen Masken getragen habe. Die toughe Businessfrau, die fröhliche Privatperson, die mit Schicksalsschlägen mutig und souverän umgeht und auch für ihre GegenspielerInnen Verständnis und Respekt zeigt. Wieviel Verzweiflung, Schmerz und inneres Zerbrechen in meinen schwierigsten Jahren in meinem Herzen stattfanden, wusste kaum jemand – manchmal nicht einmal ich selbst. 

Die Rechnung ohne den Wirt machen - oder - the price you pay

Masken sind also wertvolle Sicherheitsmaßnahmen. Außenschutz vor unliebsamen Eindringlingen und Einbruch oder Vandalismus im Inneren quasi. Aber wir vergessen dabei, dass diese Masken auch ihren Preis haben. Masken kosten Konzentration und Kraft.

Selbst wenn unsere Masken im Außen funktionieren und das öffentliche Ich uns Anerkennung beschert, wissen wir im Inneren doch, dass nicht wirklich wir gemeint sind.

Wir fühlen uns immer unverstandener, nicht um unseretwillen wertgeschätzt und wenden uns Schritt für Schritt von unseren Mitmenschen ab. Wir zeigen immer weniger Gefühle nach außen, sondern unterdrücken sie lieber, kontrollieren sie mit unseren Masken der Coolness und falsch verstandenen Souveränität nach außen. Und wofür? Mit welchem Ergebnis? Eine Maske zu leben, die ich gar nicht wirklich bin.

Wer bin ich? Und will ich die wirklich sein?

Mein Leben hat mir im Juni eine besondere – fast schon einmalige – Gelegenheit geschenkt. Ich bin in einem neuen Land: Noch keine Beziehungen zu Freunden oder Nachbarn, keine Kontakte zu Netzwerken oder Kundenstamm. Keiner kennt mich. Keiner kennt meine alten Masken. Keiner hat ein vorgefertigtes Bild von mir. Hier kann ich nochmal komplett von Neuem beginnen.

Die Möglichkeit, alles, was ich in meinen letzten fünfzehn Jahren in Ausbildungen und beruflichen Erfahrungen gesammelt habe, umzusetzen: Meine in mir gewachsene Überzeugung in der Realität auf den Prüfstand zu stellen, nämlich dass echt und authentisch sein frei macht und ungeahnte Lebens- und Beziehungsqualität schenkt. Mich kompromisslos neu zu zeigen, ohne dass mich jemand mit den Aussagen: „Du hast dich aber verändert. Wieso bist du plötzlich so anders? Du warst doch immer so…..!“ bei meinem ganz persönlichen Experiment irriterien könnte.

Und ich merke auch, wie schwierig die Antwort auf die Frage ist: Wer bin ich wirklich und will ich die sein? Wer will ich sein? Wie will ich sein? Was kommt mir und meinem inneren Kern am nächsten? Und die wichtigste aller Fragen: Traue ich mich das überhaupt?

Wie werden die anderen reagieren? Wird das funktionieren? Komme ich an? Wird man die Nicola 2.0 mögen? Die altbekannten Masken haben halt schon sehr gut funktioniert. Aber sie waren auch einengend. Wie ein Gefängnis haben sie sich manchmal angefühlt.

'The point of no return' oder 'Ja zu mir'

Also steht die Entscheidung fest: es gibt kein Zurück. Es gibt nur ein Nach Vorn. Und ich will den Selbstversuch wagen: Ausprobieren, wie es ist, ehrlich und echt man selbst zu sein und sich auch so zu zeigen, mit seinen Hoffnungen, Ängsten, Selbstzweifeln, Wünschen, Erwartungen, Stärken und Schwächen.

Ausprobieren, wie das ankommt, authentisch zu sein… Bei den Schweizern, den Seminarteilnehmern, bei neuen Netzwerkkontakten, den Nachbarn, bei mir selbst. Anfangs noch auf der Hut, woher eine mögliche Ablehnung oder Abwehr, der nächste Seitenhieb oder Tiefschlag kommen könnte.

Und dann geschieht das Unerwartete: Nichts.
Kein Seitenhieb. Kein Tiefschlag.
Im Gegenteil: Die Nicola 2.0 ist willkommen. Ihr begegnen ebenfalls Herzlichkeit und Freundlichkeit. Im nahen wie im öffentlichen Umfeld. Diese alte stereotype Angst vor den Reaktionen der Welt da draußen hat sich nicht bestätigt.

Was sich jedoch bestätigt hat, ist meine innere Überzeugung, dass Authentizität und Mut zum Ich ungeahnte Lebensqualität und Lebensfreude bringen. Und es ist mir ein Herzensanliegen, das weiterzugeben. Wir sind es selbst, die uns mit unseren Ängsten im Weg stehen.

Vielleicht ist meine Erfahrung ja auch ein Anstoß für den einen oder anderen da draußen, sein ganz persönliches Experiment und Abenteuer zu wagen.

 

Das Fräulein Schwyz ist ein Versuch, ein Statement für mehr Offenheit und ehrliche Auseinandersetzung mit unangenehmen Lebensthemen und sinnvollen Bewältigungsstrategien zu setzen. Sie will Mut machen und aufzeigen, dass Konflikte und Krisen das ganz normale Leben sind und kein Zeichen von Versagen. Sie will Tabus ansprechen und entmystifizieren, damit wir uns mit unseren Problemen, Sorgen und Ängsten nicht länger alleine fühlen.

 


 

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