• Nicola Christ-Widmann

    Impulse, die wirken

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Das ist doch kein Mobbing! Das ist doch nur Spaß

Offen gesprochen: Sechs Tabu rund ums Thema "Mobbing"
Hand aufs Herz: Wer von euch wurde schon ´mal gemobbt? Und wer von euch hat schon ´mal? Ach ja stimmt, darüber redet man ja nicht.

Wobei:

Über Mobbing redet man schon. Also theoretisch redet man über Mobbing, kennt Zahlen und Theorien aus Medien. Aber praktisch wird es nach wie vor tabuisiert, wenn Kollegen in der Arbeit oder liebe Freunde in ihren Familien oder Partnerschaften unter systematischen Feindseligkeiten leiden.

Tabu 1: Das Opfer... oder: Die Lusche 

Es ist ein interessantes Phänomen: egal ob Schulklasse oder Arbeitsteam: wer sich als Mobbingopfer fühlt, wird schnell zum Weichei (wenn es ein Mann ist) und erhält das Prädikat „hysterisch“ (wenn es eine Frau ist). Wer um Hilfe bittet, gilt als „Petze“. Wir können noch so erwachsen werden, die Gruppendynamik bleibt anscheinend dieselbe. 

Und auch wie man zum Opfer wird, bleibt anscheinend gleich. Es sind zwei Merkmale, die potenzielle Mobbingopfer ausmachen: Erstens sind sie in irgendeiner Form „anders“ (größer, kleiner, schlauer, dicker, schöner, an anderen Hobbies oder Werten interessiert). Und zweitens sind sie gutmütig und leicht zu irritieren. Erhalten sie Kritik, suchen sie die Verantwortung bei sich selbst – was an sich kein schlechter Zug ist, eigentlich sogar das Gegenteil. Doch es ist auch ein Zeichen dafür, dass sie sich verunsichern lassen. Und das mögen wiederum Mobber. Und sie testen vorher gezielt, wen sie verunsichern können und wer „leichte Beute“ ist.

Tabu 2: Der Täter... oder: Der Coole 

Mobber sind Menschen, die das Gefühl von Macht und Überlegenheit genießen. Sie lieben es, andere möglichst sichtbar für alle herumzukommandieren und demütigen zu können. Manche Mobber stiften auch andere aus der Umgebung an, mitzuziehen. Sie gehen dabei in ihrer Manipulation sehr geschickt und gezielt vor und werden vom Umfeld meist sogar als Anführer-Persönlichkeit bewundert. Sie sind sich ihrer Taten und den Auswirkungen auf ihre Opfer meistens sehr wohl bewusst und genießen dieses Überlegenheitsgefühl.

Reinhard Haller, renommierter Arzt und Psychotherapeut – den ich sehr schätze – weist daraufhin, dass gerade Narzissten oft mobben. Sie sind von starken Eifersuchts- und Neidgefühlen geprägt und sehnen sich nach Anerkennung. Erhalten sie diese nicht im erwünschten Maß oder vermuten sie Ungerechtigkeiten, werden sie aktiv.

 

'Die Welt ist viel zu gefährlich, um darin zu leben - nicht wegen der Menschen, die Böses tun, sondern wegen der Menschen, die daneben stehen und sie gewähren lassen.’
Albert Einstein

 

Tabu 3: Die Anderen... oder: Mitgehangen, mitgefangen

Jetzt könnten wir natürlich sagen: böse Täter! Aber so einfach ist es nicht. Denn: jeder Täter ist nur so erfolgreich wie sein Umfeld, das ihn gewähren lässt oder sogar bestärkt. Wer aus Angst vor Konflikten schweigt, während andere leiden, ist an der Szenerie und ihrem Verlauf mitverantwortlich. Punkt.

„Ich halte mich da raus.“ Auf diese mangelnde Solidarität setzen Mobber und gewinnen dabei auch noch. Ein Großteil der Mobbing-Eskalationen könnte mit einem Mal beendet werden, würde ein unparteiischer Dritter dem Mobber die sprichwörtliche rote Karte zeigen. Doch verschiedenste psychologische Studien zeichnen ein trauriges Bild von der Spezies Mensch. Demnach sehnen wir uns so sehr nach sozialer Zugehörigkeit, dass wir dafür bereit sind, andere auf Anweisung auszugrenzen und sogar zu misshandeln. Nur damit wir dazugehören und nicht selbst Opfer von Ausgrenzung werden. Und der Mobber manipuliert munter weiter Opfer und Mitläufer nach seinen Vorstellungen.

Ob den Mitläufern eigentlich bewusst ist, dass sie alles andere als neutral sind, sondern vielmehr als Mobbing-Marionetten fungieren?

Tabu 5: Die Attacken – das war doch gar nicht so gemeint

Mobber sind meist sehr trickreich, wenn sie ihr Mobbing-Netz auswerfen. Werden sie enttarnt, verstecken sie ihre verbalen oder non-verbalen Attacken geschickt hinter Aussagen wie „So war das ja gar nicht gemeint“ oder „Das war ja nur eine konstruktive Kritik“ oder ähnlichem. Egal ob verachtende Blicke, demontierendes Gerede hinter dem Rücken, soziale Ausgrenzung oder destruktive Kritik... Mobber versuchen ihren Opfern die Schuld zu geben. Und auch hier haben sie oft Erfolg.

Mobbing ist systematischer Psychoterror: verbal, non-verbal oder körperlich. Fühlt sich das Opfer ernsthaft gefährdet und hat Angst, ist es kein Spiel mehr, egal wie lustig es Mobber und Mitläufer vielleicht finden mögen.

Tabu 6: Die Folgen – worüber man gar nicht spricht

Mobbing hat Folgen. Massive Folgen. Mobbingopfer stehen oft über Jahre unter einem so extremen Druck, dass sich starke psychische und körperliche Symptome – ähnlich einer posttraumatischen Belastungsstörung – entwickeln. Und zwar nicht, weil sie „Weicheier“ oder „hysterisch“ sind. Sondern weil Ausgrenzung dieselben Schmerzmechanismen im Gehirn aktiviert wie körperliche Gewalt.

Die andauernde Schikane und Demütigung verursachen u.a. Schlafstörungen, Magenprobleme, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Suchterkrankungen, Immunschwäche-Erkrankungen sowie Angststörungen und Depressionen.

Sind Scham und Schande dieser Demütigungen zu groß, um sie länger ertragen zu können, wählen Betroffene als letzten Ausweg den Freitod.

Mobbing ist keine Krankheit. Mobbing ist eine persönliche Krisensituation, die man bewältigen kann, wenn man darüber spricht.


 

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