Trainings-Kompetenz: Über das lästige Ballspielen und echte Potenzialentwicklung in Training

Offen gesprochen: Wenn ich von einem neuen Unternehmen als Trainerin angefragt werde, lautet einer der ersten Fragen: Sie spielen aber nicht auch mit Bällen oder?

Und da ich gerade in den letzten konzeptionellen Vorbereitungen eines weiteren TrainerInnen-Ausbildungs-Lehrgangs bin, ist es ein guter Zeitpunkt einmal sehr provokant über Trainingskompetenz,  dieses berühmt-berüchtigte Ball-Spielen und die Effizienz von Trainings zu schreiben...

Die Spreu vom Weizen trennen: Woran erkenne ich wirklich professionelle TrainerInnen

Für Unternehmenstrainings werden jährlich Unmengen an Ressourcen an Zeit und Geld investiert. Prinzipiell eine hervorragende Einstellung zur Weiterentwicklung von MitarbeiterInnen, aber ist das Ergebnis auch zufriedenstellend?

Fragen Sie sich ruhig einmal: Erreichen die Fortbildungsmaßnahmen auch die erwünschten Ziele? Sind Ihre TrainerInnen auch die besten? Adaptieren sie wiederkehrende Trainingsinhalte an die jeweilige TeilnehmerInnen-Gruppe und ihre individuellen Ansprüchen und Bedürfnisse? Oder werden Trainings-Konzepte aus dem ff heruntergebetet? Sind sie nicht nur fachlich, sondern auch methodisch und didaktisch ausgebildet? Sind sie sozial und emotional kompetent? Und damit meine ich nicht „abgebrüht“, sondern mental und emotional stabil und wertschätzend in jeder Situation. 

Nehmen Ihre TrainerInnen auf die Auswirkungen des paternalistischen Verhaltens und die mögliche Mehrdeutigkeit von Botschaften auf den verschiedenen Kommunikationsebenen bewusst Rücksicht? Kombinieren Sie die verschiedenen didaktischen Optionen, die weit über die herkömmlichen Vorträge und Gruppenarbeiten mit Flipchart-Produktion hinausgehen? Gehen sie regelmäßig in Supervision, um ihre Arbeitsweise zu reflektieren und optimieren?

Fragen Sie sich auch als TrainerIn: Wann habe ich zum letzten Mal eine Fachfortbildung besucht? Welche neuen Trends der Lernforschung laufen in meinen Trainingsalltag ein? Bin ich regelmäßig in Supervision, um meine blinden Flecken in der Arbeit mit Menschen zu erkennen, damit sie die Arbeitsbeziehung mit den Trainees nicht beeinflussen?

TrainerIn ist eine Berufung, kein Beruf... Und: Die Berufenen sind auch die besten

Nach über 20 Jahren Erfahrung auf diesem Sektor habe ich eindeutig feststellen können: TrainerIn sein ist eine Berufung, und kein Beruf. Sie verzeihen, dass ich jetzt sehr direkt werde: aber ich habe im Laufe meiner eigenen Ausbildungen und meiner Trainer-Kooperationen eine Menge schlechte TrainerInnen erlebt. Das Problem ist schlichtweg, dass es dafür keine festgesetzte Ausbildung gibt. Quasi jeder kann sich „TrainerIn“ nennen. Und das ist leider dramatisch. Gottseidank habe ich auch viele tolle KollegInnen kennengelernt und profitiere nach wie vor vom Fachaustausch mit ihnen.

Apropos Fachaustausch: TrainerIn sein, bedeutet, nicht nur im Fachwissen, das ich trainiere, Profi zu sein, sondern auch didaktische und methodische Ausbildungen vorweisen zu können und regelmäßig an Fortbildungen teilzunehmen. Nicht weil man muss, sondern aus Begeisterung, weil das Herz dafür schlägt und man wissensdurstig ist, welche neuen Techniken es gibt, die unsere TeilnehmerInnen für ein Thema und einen Lernschritt begeistern könnten.

TrainerIn sein, bedeutet darüber hinaus auch emotionale und soziale Kompetenzen auf hohem Niveau zu haben (und ich meine auf wirklich hohem Niveau). Dass sich TrainerInnen von ihren TeilnehmerInnen emotional herausfordern oder sogar provozieren lassen, geht schlichtweg gar nicht. Es ist nur natürlich, dass im Training Widerstände und Rangstreitigkeiten auftauchen. Dafür lernen wir ja alles Notwendige in Sachen Gruppen- und Konfliktdynamik. Da muss ich Profi sein und souverän und wertschätzend bleiben können, notfalls klare Grenzen setzen, aber keinesfalls in paternalistisches Verhalten kippen und an- oder sogar untergriffig werden. Andernfalls habe ich im Ausbildungsbereich – und ja, ich bin auch hier wieder provokant – nichts verloren.

Wozu eigentlich diese „blöden Spiele mit Bällen & co“ zwischendurch?

Wir TrainerInnen kennen viele Spiele: Kennenlernspiele, Wahrnehmungsspiele, Motivationsspiele, Interaktionsspiele, Kommunikationsspiele, Auflockerungsspiele, Evaluationsspiele... Die zwei größten Fehler, die TrainerInnen bei der Auswahl und dem Einsatz von Spielen machen können:

  1. Die Spiele nicht auf die TeilnehmerInnen anpassen. JuristInnen, PolitikerInnen und Hochschulpersonal haben beispielsweise ein ganz anderes Bedarfs- und Bedürfnisprofil als medizinisches oder pädagogisches Personal. Dennoch bleiben viele TrainerInnen bei ihren „altbewährten Spieletechniken“ und wundern sich, wenn die Interventionen ihnen „um die Ohren fliegen“. Sorry, aber das ist keine professionelle Herangehensweise.
  2. Oft erlebe ich auch, dass SeminarteilnehmerInnen im Nachhinein bestimmte Spiele beschreiben als: „ja war eigentlich ein nettes Spiel, aber wozu haben wir das eigentlich gemacht? Eigentlich Zeitverschwendung.“

So schade! Wie kann das sein, dass man als TrainerIn die Learnings einer Spielsequenz nicht abholt und den TeilnehmerInnen ihre ganz persönlichen Erkenntnisse vorenthält? Das ist doch Teil unseres Jobs: TeilnehmerInnen dazu einzuladen und anzuleiten, Neues über sich zu erfahren und neue Sichtweisen zu generieren. Im Prinzip kann ich den TeilnehmerInnen aus jedem Spiel und jeder Intervention – selbst wenn sie nur zur Auflockerung dienen mag – eine wertvolle Erkenntnis mitgeben. Unverständlich, wenn wir TrainerInnen es nicht tun.

Eine Hommage an professionell geleitete Kompetenzerweiterung und Persönlichkeitsentwicklung

Eines ist klar: Trainings bringen den Erfolg. TrainerInnen tun es manchmal nicht. Und das ist schade. Überschlagsmäßig gerechnet durfte im Laufe meines Lebens bereits über 1200 Menschen in Trainings und Coachings begleiten und es ist der wertvollste Job, den ich ausüben kann.

Zu sehen, wie Menschen über sich hinaus wachsen, den Mut finden, Dinge neu anzugehen, ihr Potenzial ausschöpfen und innerlich wie äußerlich zu strahlen beginnen. Und nein, dafür brauche ich keine Ballspiele – obwohl manchmal und im richtigen Rahmen machen sie Spaß – auch den TeilnehmerInnen ;-)

 


 

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