Tabu Krise: Schritt für Schritt konstruktiv durch den Wahnsinn

  • Die letzten Tage sind spurlos an dir vorübergegangen?
  • Das Leben läuft geordnet und wie gewohnt weiter?
  • Du ertappst dich nicht beim Grübeln oder Sorgen?
  • Du verspürst keine Anspannung, wenn jemand in deiner Umgebung hüstelt oder niest?
Dann bist du entweder übermenschlich oder steckst schon mitten in der zweiten Phase des typischen Krisenverlaufs, ohne es vielleicht zu wissen…

Wie läuft eine Krise ab und woran erkenne ich die einzelnen Phasen?

Eine akute Krise läuft für alle Betroffenen gleich ab, nicht in derselben Intensität, aber in der Abfolge der einzelnen Reaktionsphasen:
 
➡️ Schock ➡️ Verleugnung ➡️ Hervorbrechende Gefühle ➡️ Verarbeitung ➡️ Neuorientierung
 
Die erste automatische Reaktion ist der Schockzustand.
Sie ist geprägt durch inneres Chaos und ziellose Aktivitäten (wie beispielsweise das Hamstern von Klopapier oder anderes irrationales Handeln, um uns nicht ohnmächtig zu fühlen) oder auch durch die typische Schockstarre oder Apathie. Die Wirklichkeit wird auf Abstand gehalten. Wir wollen die Situation nicht wahrhaben.
 
Nach dem Motto: Solange ich so tue, als wenn es nicht passiert, passiert es auch nicht. Sie dauert in der Regel ein paar Stunden bis wenige Tage, kann allerdings durch laufende Hiobsbotschaften immer wieder angefeuert werden.
 
Im nächsten Schritt folgt das Aufbrechen der Emotionen gepaart mit der breiten Palette an
• Verleugnung und Verdrängung
• Ablenkungs- und Suchttendenzen
• Wut, Angst, Schmerz und Rückzug ebenso wie
• Aggression und Kurzschlussentscheidungen.
 
Sie sind wichtige Schutzmaßnahmen unseres Systems, um mit dem Unbekannten und der Unsicherheit und Ohnmacht klarzukommen. Diese sogenannte Reaktionsphase dauert je nach Persönlichkeit unterschiedlich lange an und ist am schwersten zu ertragen, weil sie einer Hochschaubahn gleicht.
 
Wir werden also vermutlich noch länger Menschen in dieser Phase erleben, die z.B. behördliche Vorschriften ignorieren und versuchen, ihren ganz normalen Alltag einfach beizubehalten, weil sie all diese Maßnahmen für viel zu überzogen halten. Es ist auch schwierig, sie vom Gegenteil zu überzeugen, schließlich ist es ja ein Schutzmechanismus, der solange aufrecht erhalten bleibt, bis alle nötigen Ressourcen für die nächste Phase gesammelt werden konnten.
 
Übrigens ist auch das Rationalisieren ein Versuch, der Lage Herr zu werden, ohne sich mit seinem inneren Chaos und seiner Ohnmacht auseinandersetzen zu müssen. Hier wird auf Sachebene versucht, die Situation im Griff zu haben und souverän zu wirken. Emotionen werden ausgeklammert. Das hat mit echter Souveränität wenig zu tun und kann umso gefährlicher werden, da sie im Unbewussten schlummern und zu einem späteren Zeitpunkt übertrieben stark hervorbrechen können. Verdeckte Emotionen zeigen sich auch oft unter dem Deckmantel von Sarkasmus und verstärkter Reizbarkeit. Und so wird die unbewusste innere Anspannung nicht selten auf andere projeziert und in Streit und Vorwürfen abgebaut. Konstruktives Vorgehen sieht anders aus.
 

Raus aus der Schock- und Reaktionsphase: Die ehrliche Begegnung mit sich selbst

Wer eine Krise nicht nur einfrieren und zur Seite stellen will, sondern konstruktiv bewältigen und durch sie zu einer krisenfesteren Perönlichkeit wachsen will, setzt sich im nächsten Schritt bewusst mit den innewohnenden Gefühlen auseinander, so unlogisch und irrational sie einem erscheinen mögen. Für unser Innenleben sind sie real und belasten uns. Also räumen wir in der Bearbeitungsphase mit unseren Ängsten auf, ebenso mit unserer Aggression oder Resignation, unserer Verzweiflung und Wut, unserer Trauer und Verlustangst, unserem Gefühl des Kontrollverlustes, was sich alles ändern wird (in der Fachsprache auch ‚das Tal der Tränen‘ genannt).
 
Bleiben wir jetzt ehrlich mit uns selbst, belohnt uns dieser Prozess mit einer neuen Qualität an Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Jetzt kann die Neuorientierungsphase auf einem soliden Fundament aufbauen. Es gibt keine wackligen Steine mehr im Untergrund. So können echte neue Werte und Wege entstehen, die auch wirklich Stabilität für die Zukunft haben. Hier werden tragfähige Einsichten, Entscheidungen und Verhaltensweisen möglich.
 
Ja, es ist leichter, sich in der Reaktionsphase den Ablenkungen und Rationalisierungen hinzugeben. Es erfordert weniger Mut und Kraft als die Bereitschaft, sich und der Situation offen und ehrlich zu begegnen.
 
Aber es kostet auch etwas: nämlich unsere Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Was uns für unser Leben wichtiger ist, entscheiden wir selbst.
 
 
Und weil es akut ist! und weil es uns alle betrifft, und weil Klarheit helfen kann, ist das Teilen dieses Beitrags wie auch der folgenden von Herzen erwünscht.

 

 

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