Muttertag - was unsichtbar bleibt

Muttertag. Im Vorfeld wird in Kindergärten und Schulen eifrig gebastelt, Gedichte werden auswendig gelernt, das Frühstück oder der Ausflug werden heimlich geplant.

Frisch gebackene Mütter, die den Tag zum ersten Mal feiern dürfen, sprühen vor Freude und Stolz. Mütter, die den Tag schon öfter erleben durften, schmunzeln über das Getuschel der Kinder und das morgendliche Klimpern in der Küche, freuen sich über die Freude der Kinder und fürchten vielleicht schon das Schlachtfeld in der Küche.

Aber es gibt auch eine andere Seite - und andere Mütter.

Wenn der Muttertag kein Freudentag ist…

Wir alle haben Bilder im Kopf - von den gefeierten Müttern am Muttertag. Und das sind schöne Bilder und schöne Momente.
Aber es gibt auch andere Mütter.

  • Mütter, die an diesem Tag leiden.
  • Mütter, deren Kind ernsthaft krank ist.
  • Mütter, die ihr Kind bereits verloren haben.
  • Mütter, die eine Fehlgeburt erlitten haben.

Für sie ist der Muttertag kein schöner Festtag, denn es erinnert sie daran, was sie verlieren könnten oder bereits verloren haben.

Und dann gibt es noch die Mütter, die eigentlich keine Mütter sind. Für sie sollte der Muttertag eigentlich ein ganz normaler Tag sein. Ist es aber nicht.

Es sind die Mütter, die schon lange – vielleicht schon seit ihrer Jugend – Mama sein wollten, aber kinderlos geblieben sind. Frauen, die schon als Kind mit ihren Puppen das Mamasein geübt haben, um bereit zu sein, wenn es soweit ist – doch es kam nie soweit. Sie haben mit ihren Freundinnen und Familienangehörigen mitgefiebert und in jedem Kinofilm mitgefühlt, wenn jemand schwanger wurde, ein Kind krank und wieder gesund wurde, es Probleme in der Schule oder den ersten Liebeskummer gab. Es sind Herzensmütter, die in ihrem Herzen die Freuden und die Sorgen nachvollziehen und spüren, wie es sich anfühlt, Mama zu sein, es aber nie leben konnten, weil ihr Leben ihnen keinen Nachwuchs geschenkt hat. Auch sie haben ein Kind verloren; ein Kind, das sie nie bekommen haben.

Der kinderlose Muttertag

Für Mütter, die ihre Kinder verloren haben und Frauen, die ihr Wunschkind nie bekommen konnten, ist der Muttertag eine Herausforderung. Diese glücklichen Gesichter in der Werbung, die geschmückten Vitrinen, die Happy Mother's Day Posts in den sozialen Medien reißen die Wunde auf und erinnern an den Schmerz.

Und so sehr Betroffene den glücklichen Müttern und ihren Kindern ihren besonderen Tag gönnen, so wichtig ist es auch, die „anderen“ Mütter, ihre Trauer und ihren Schmerz an diesem Tag nicht zu vergessen.

Aus vielen Beratungsgesprächen mit Betroffenen und auch aus meiner eigenen Geschichte weiß ich, wie tapfer diese Mütter sind, wie sehr sie sich bemühen, stark zu bleiben, anderen ihren Schmerz nicht zu zeigen, um nicht zur Belastung zu werden. Sie tragen ihren Kummer und ihre Trauer alleine und müssen einen Weg finden, nach dem Verlust weiterzuleben. Sie arbeiten daran, für ihr Leben eine neue Ausrichtung zu finden, auch wenn sie in ihrem Herzen wissen, dass es nichts geben kann, das diese Lücke heilt.

Sie arbeiten auch daran, das Glück der anderen neben ihrer Trauer auszuhalten, obwohl sie wegen der vielen glücklichen Fotos und Erzählungen oder auch der einen oder anderen unbedachten, vielleicht belanglos wirkenden Aussage anderer Mütter manchmal am liebsten schreien oder einfach drauf los weinen würden.

Aber das tun sie nicht.
Sie wollen das Glück der anderen nicht belasten.
Sie wollen auch kein Mitleid.
Sie würden sich vielleicht nur ein wenig Rücksichtnahme wünschen.

Ehren wir auch diese Mütter.
Und das nicht nur am Muttertag.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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